Das Fenster wird zum Kraftwerk
Die durchsichtige Kunststoff-Folie kam mit dem Postboten und klebt nun am Fenster. Die Sicht nach außen beeinträchtigt sie nicht. Trotzdem ist aus dem Fenster ein kleines Kraftwerk geworden, denn die unscheinbare Folie besteht aus lichtempfindlichem Material, das die Sonnenstrahlen in elektrische Energie umwandeln kann. Am Abend wird die Folie zur Lichtquelle und sorgt für Helligkeit im Haus.
Alles nur Zukunftsmusik? Nicht ganz. Die Bosch-Gruppe, der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen und die Heliatek GmbH in Dresden haben eine Kooperation vereinbart, um Solarzellen aus Kunststoff zur Serienreife zu entwickeln. Die Organische Photovoltaik soll in einigen Jahren so günstig auf den Markt kommen, dass der Strom mit dem aus herkömmlichen Energiequellen konkurrieren kann. Während herkömmliche Solarzellen heute noch rund 350 Euro je Quadratmeter kosten, soll die Organische Photovoltaik unter vergleichbaren Voraussetzungen die Marke von 100 Euro unterschreiten.
„Mit der Organischen Photovoltaik wollen wir unserer Vision des energieautarken Hauses einen weiteren Schritt näher kommen“, betont Siegfried Dais, stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung. Eine große Herausforderung ist hierbei immer noch die Frage, wie in der Nacht Energie abgerufen werden kann, die am Tag mit Photovoltaik erzeugt wurde. Noch fehlen geeignete Speicher. Allerdings ist eine Zwischenetappe in Sicht: ein Gebäude, das genau so viel Energie abgibt, wie es vorübergehend von außen bezieht. Einige Bestandteile dieses Systems – zum Beispiel Solarthermie oder Holzpelletbrenner – gehören bereits zur Produktpalette von Bosch.