Bosch Engineering Center Linz: Wie aus Challenges Erfolge werden
Wer an Linz denkt, sieht die Donaustadt im Herzen Oberösterreichs vor sich, umgeben von grünen Hügeln, geprägt von Industrie und Tradition. In Bewegung zu sein, das gehört hier zum Selbstverständnis – auch am lokalen Bosch-Standort. Lange stand das Zentrum in Linz für den Diesel: Am Standort werden Einspritzventile entwickelt, die Millionen von Fahrzeugen antreiben. Doch die Mobilitätswende verlangt neue Antriebsformen, auch Wasserstoff rückt als Antrieb für Brennstoffzellentrucks und als Energieträger für Industrien wie Luftfahrt, Chemie und Energieinfrastruktur in den Fokus. Im Frühjahr 2022 stieg Bosch in die Elektrolyse ein, also in die Erzeugung von Wasserstoff. Ziel ist es, eine weltweite Wasserstoffwirtschaft aufzubauen, die wettbewerbsfähig ist und ohne CO2-Emissionen auskommt.
Michael Preßler kennt den Wandel aus erster Hand. Seit 2000 arbeitet er im Dieselbereich bei Bosch in Linz und leitet dort heute das Elektrolyse-Stack-Projekt. „Die Mobilitätswende hat die Perspektive für unseren Standort grundlegend verändert. Seit 2022 verantworten wir die Leitentwicklung für den Elektrolyse-Stack weltweit.“ Dieses Herzstück der Wasserstoffproduktion wiegt bei einer Fläche von einem Quadratmeter rund drei Tonnen und wandelt Wasser in mehr als 100 verbundenen Elektrolysezellen in Wasserstoff und Sauerstoff um. Den Projektstart der Stack-Entwicklung markierte eine interne Ausschreibung Ende 2021. Linz bewarb sich und erhielt den Zuschlag aufgrund seiner Entwicklungskompetenz, der idealen Infrastruktur für Prüfstände und Tanks sowie der Förderlandschaft Österreichs. Anfang 2022 startete ein fünfköpfiges Team mit der Absicht, Fachkräfte aus der Dieselentwicklung für das Projekt zu gewinnen. Erfahrung mit Wasserstoff Tankventilen war vorhanden, der Stack jedoch Neuland.
Entwicklungsprozesse, langfristige Qualitätstests, Zertifizierungen – in all das arbeitete sich das Team tief ein. Auch fachlich war ein Umdenken gefragt: „Neben Kompetenzen in Maschinenbau und Physik wurden Chemie und Elektrochemie sehr wichtig“, erklärt Preßler. Am Standort wurden Mitarbeitende gezielt weiterqualifiziert. Auch wurden Expertinnen und Experten neu eingestellt. Eine Schlüsselrolle spielen umfassende Tests des Stacks im gesamten Entwicklungszeitraum. Tanja Scherb leitet seit Herbst 2025 ein 13köpfiges Team. „Die Rahmenbedingungen sind neu, die Zeitvorgaben knapper, die Unsicherheiten größer.“ Ein zentrales Element war der Aufbau eigener Prüfstände - unverzichtbar, um den Stack schon früh auf Funktion und Qualität zu testen. Von den ersten Anforderungen bis zur finalen Inbetriebnahme dauert es bis zu zwei Jahre, bis ein Prüfstand einsatzbereit ist. Heute zeigt sich der Wandel auch räumlich: Neben Dieseltestanlagen stehen fünf neue Prüfstände für Elektrolyse-Stacks. Hinter dicken Glasscheiben werden die massiven Stacks auf Dichtigkeit, funktionale Sicherheit und Langlebigkeit geprüft – ruhig, sauber, hochautomatisiert. „So können wir Tests auch ohne permanente Aufsicht durchführen“, sagt Scherb.
Man braucht den Mut, Neues zu wagen.
Blick nach vorne
Der Wandel verlangte einen Mentalitätswechsel. Anfangs waren viele Beschäftigte zurückhaltend und wollten im Dieselbereich bleiben, doch Neugier und Entwicklungsmöglichkeiten überzeugten. Heute arbeiten in Linz mehr als 50 Fachleute im ElektrolyseTeam, etwa ein Viertel der Belegschaft. Die ersten Stacks wurden 2025 bereits an Kunden ausgeliefert. Das Team verbessert das Produkt kontinuierlich – mit Blick auf Leistung, Lebensdauer und Kundenanforderungen – und arbeitet an der zweiten Generation.
Die Geschichte von Bosch in Linz zeigt, wie sich ein Standort neu erfindet: vom Dieselstandort zum Kompetenzzentrum für ElektrolyseStacks – ein mutiger Schritt. Oder, wie Michael Preßler sagt: „Man braucht den Mut, Neues zu wagen und keine Angst vor Fehlern zu haben. Genau so entsteht Zukunft.“