Österreichs beste HTL-Innovationen: Bosch kürt die Sieger des Innovationspreises 2026
Die Entscheidung ist gefallen: Am 11. Juni 2026 wurden bei der feierlichen Verleihung des Bosch Innovationspreises in Wien die herausragenden Leistungen des österreichischen Technik-Nachwuchses gekürt. In diesem Jahr gab es einen neuen Einreichrekord: Insgesamt 203 Schülerinnen und Schüler aus 27 Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) in ganz Österreich wetteiferten heuer mit ihren 80 Abschlussarbeiten um den begehrten Award, der in Fachkreisen oftmals auch als „HTL-Oscar“ bezeichnet wird. Vor zahlreichen Gästen aus Wissenschaft und Wirtschaft wurden beim Finale in der historischen Fahrzeughalle der Robert Bosch AG in Wien 19 Abschlussarbeiten präsentiert. Die Gewinner der 19. Ausgabe des größten unternehmensinitiierten HTL-Wettbewerbs Österreichs sind: Die HTBLA Eisenstadt wurde mit dem Bosch-Innovationspreis ausgezeichnet für die Diplomarbeit „EcoMorph – Modulare Plattform für vielseitige Mobilität“ in der Kategorie „Mobility“. Die HTL Braunau räumte gleich in zwei Kategorien ab, nämlich in der Kategorie „Industrial Technology“ mit dem Projekt „Technical Design and Engineering of a Single-Screw Extruder“ sowie in der Kategorie „Connected Living“ mit der Diplomarbeit „Ascenta – Guiding your Vision“. Den Sonderpreis in der ACE-Challenge sicherte sich die HTL TGM Wien mit dem „C-ITS Demonstrator“. Neben der begehrten Trophäe und dem Akku-Schrauber IXO von Bosch erhielten die vier Gewinnerteams jeweils eine 1.500-Euro-Siegerprämie.
Künstliche Intelligenz als Treiber für Bildung und Innovation
Helmut Weinwurm, Vorstandsvorsitzender der Robert Bosch AG und Repräsentant der Bosch-Gruppe in Österreich, zollte der Qualität der Finalisten großen Respekt: „Die hier versammelten jungen Technikerinnen und Techniker beeindrucken durch ihre Souveränität und ihren Gestaltungswillen: Sie wenden Technologie nicht nur an, sondern treiben sie aktiv voran. Wer es in dieses Finale schafft, zeigt bereits ein außergewöhnliches Niveau an technischer und unternehmerischer Kompetenz. In Verbindung mit einem klaren Blick für wirtschaftliche Relevanz entsteht genau das, was echte Innovation ausmacht.“
Wolfgang Kern, Abteilungsleiter im Bildungsministerium und Vorsitzender der Fachjury, hob die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz hervor: „Neue Technologien eröffnen in der Bildung völlig neue Wege: Wir bewegen uns weg vom klassischen Frontalunterricht hin zu einem Lernverständnis, in dem Wissen jederzeit verfügbar ist und die Kreativität der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt steht. Genau hier entsteht enormes Potenzial für innovative Projekte. Wettbewerbe wie der Bosch Innovationspreis machen diesen Wandel sichtbar – und durch die Bewertung einer externen Jury nach industrie- und wirtschaftsnahen Maßstäben wird deutlich, wie gut der Nachwuchs bereits heute auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet ist.“
Siegerprojekt in der Kategorie "Mobility": „EcoMorph – Modulare Plattform für vielseitige Mobilität“
Andras Farkas von der HTBLA Eisenstadt sicherte sich den Sieg in der Kategorie „Mobility“. Im Projekt „EcoMorph – Modulare Plattform für vielseitige Mobilität“ wurde eine elektrisch betriebene Mobilitätsplattform entwickelt, die mehrere Einsatzbereiche in einem System vereint. Basierend auf einem zentralen Antriebskern können über ein Schnellwechselsystem unterschiedliche Module – etwa für Straße, Wasser oder Schnee – flexibel kombiniert werden. Dadurch ersetzt das Konzept mehrere Einzelfahrzeuge durch eine skalierbare, ressourcenschonende Gesamtlösung und eröffnet neue Ansätze für nachhaltige, multimodale Mobilität. „Diese Arbeit überzeugt durch eine außergewöhnliche technische Bandbreite – von der Konzeptidee bis zum funktionierenden Prototypen. Besonders beeindruckend ist der systematische Aufbau einer modularen Plattform, die klar auf Einsatz in der Praxis und sogar in Richtung Serienfertigung ausgerichtet ist. Der Ansatz zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in solchen integrierten Mobilitätslösungen steckt“, erklärte Jurorin Anna Huditz, Abteilungsleiterin am AIT.
Siegerprojekt in der Kategorie "Industrial Technology": „Technical Design and Engineering of a Single-Screw Extruder“
Moritz Hajek holte für die HTL Braunau mit seiner Diplomarbeit „Technical Design and Engineering of a Single-Screw Extruder“ den Bosch Innovationspreis in der Kategorie „Industrial Technology“. Umgesetzt wurde dabei ein voll funktionsfähiger Einschnecken-Extruder, der Kunststoffabfälle aus der 3D Druck- und Maker Szene aufbereitet und wieder in verwertbares Filament überführt. Die interdisziplinäre Lösung kombiniert Mechanik, Mechatronik und Elektronik und ist als Open Source Projekt frei zugänglich – mit dem Ziel, lokale Materialkreisläufe in Werkstätten, Laboren und Bildungseinrichtungen zu schließen. „Das Projekt verbindet Nachhaltigkeit mit einem klar erkennbaren Bedarf in der Maker Szene und überzeugt durch einen vollständig funktionsfähigen, interdisziplinär entwickelten Prototypen. Besonders stark ist der Open Source Ansatz, der Wissen teilt und breiten Zugang ermöglicht. Gerade für Werkstätten, Labore und Hochschulen eröffnet die Lösung großes Potenzial – bis hin zu einem tragfähigen Geschäftsmodell“, betonte Juror Heimo Sandtner, Rektor FH Campus Wien.
Siegerprojekt in der Kategorie "Connected Living": „Ascenta – Guiding your Vision“
Fabian Lindlbauer, Liam Vendel und Manuel Zauner von der HTL Braunau gingen mit „Ascenta – Guiding your Vision“ in der Kategorie „Connected Living“ als Sieger hervor. Das Team entwarf mit „Ascenta“ eine intelligente Assistenzbrille, die visuelle Informationen mittels Künstlicher Intelligenz erkennt und in akustische Hinweise übersetzt. Die Kombination aus Sensorik, Kamera und Sprachsteuerung ermöglicht es, Hindernisse, Personen und Situationen im direkten Umfeld zu erfassen und dem Nutzer in Echtzeit zu beschreiben. Besonders innovativ ist die vollständig lokale Datenverarbeitung auf Brille und Smartphone, wodurch Datensicherheit und Unabhängigkeit von Cloud-Systemen gewährleistet werden. „Diese Diplomarbeit zeigt eindrucksvoll, wie Technologie ganz konkret im Alltag unterstützen kann: Die Assistenzbrille übersetzt visuelle Informationen in Sprache und erleichtert sehbeeinträchtigten Menschen die Orientierung im öffentlichen Raum. Besonders überzeugend ist die datenschutzkonforme Umsetzung mit lokaler Verarbeitung sowie der interdisziplinäre Ansatz. Mit weiterer Entwicklung hat die Lösung großes Potenzial für den Einsatz in der Praxis und könnte vielen Menschen nachhaltig helfen“, so Jurorin Susanna Slaby, Vorständin der Technischen Abteilung 4A und Vorsitzende der Nichtigkeitsabteilung am Österreichischen Patentamt.
Sonderpreis "ACE-Challenge": „C-ITS Demonstrator“
Ein weiteres Highlight war die Verleihung des Sonderpreises in der ACE Challenge, einem Wettbewerb rund um vernetzte, automatisierte und elektrifizierte Mobilität. Ausgezeichnet wurden Maksymilian Jamroz, Osman Kilic, Hamzalija Mutapcic und Herbert Wirthner von der HTL TGM Wien für ihren „C-ITS Demonstrator“. Die Preisträger entwickelten ein vernetztes, fahrbares Demonstrationsfahrzeug, das zentrale Zukunftstechnologien wie automatisiertes Fahren, Fahrzeug zu Infrastruktur Kommunikation und intelligente Verkehrssteuerung praxisnah abbildet. Durch die intelligente Verknüpfung von Sensorik, Software und digitaler Infrastruktur kann das Modellfahrzeug selbstständig auf seine Umgebung reagieren und seine Daten in Echtzeit mit einem vernetzten System austauschen. Damit gelingt es, komplexe Mobilitätskonzepte anschaulich und greifbar zu machen und einen realistischen Einblick in die vernetzte Mobilität von morgen zu geben.
Prominente Fachjury
Folgende Mitglieder der Hauptjury entschieden über die Siegerprojekte des Bosch Innovationspreises 2026:
• DI Mag. Anna Huditz (Leiterin der Abteilung Transportation Infrastructure Technologies, AIT Austrian Institute of Technology GmbH)
• Dipl.-Ing. Wolfgang Kern (Leiter der Abteilung I/11 technischer, gewerblicher und kunstgewerblicher Schulen im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung)
• Univ.-Prof. Mag. Dr. Gabriele Kotsis (Leiterin des Instituts für Telekooperation, Johannes Kepler Universität Linz)
• Dr. techn. Martin Riester (Centerleiter der Fraunhofer Austria Research GmbH, Wien)
• FH-Prof. DI Dr. mont. Heimo Sandtner (Rektor FH Campus Wien)
• Hofrätin Mag. Dr. Susanna Slaby (Vorständin der Technischen Abteilung 4A und Vorsitzende der Nichtigkeitsabteilung am Österr. Patentamt)
• Mag. (FH) Helmut Weinwurm (Vorstandsvorsitzender der Robert Bosch AG und Repräsentant der Bosch-Gruppe in Österreich)