Innovation aus Wien: Bosch macht das Software-Defined Vehicle erlebbar
Software-Defined Vehicles (SDV) definieren die Zukunft unserer Branche. Künftige Fahrzeugfunktionen entstehen nicht mehr primär durch neue Hardware, sondern durch intelligente Software, die sich flexibel aktualisieren und vernetzen lässt. Genau hier setzt Bosch mit einer außergewöhnlichen Initiative an: dem Mini Demo Car. Auf den ersten Blick ein hoch entwickeltes Spielzeugauto, verbirgt sich unter der Haube eine technologische Revolution im Kleinformat.
Vom Spielzeug zum High-Tech-Prototypen
Das Mini Demo Car ist das Aushängeschild des internationalen Projekts „ENTERER“ (End-To-End Prototyping Environment). Das Ziel: Das Software-Defined Vehicle nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern greifbar zu machen. Dafür hat das Entwicklungsteam mehrere serienreife Steuergeräte aus unserem Bosch-Portfolio miteinander verschaltet. Das bedeutet, es wird nicht nur an abstraktem Code gearbeitet, sondern direkt auf der realen Hardware, die später in den Fahrzeugen unserer Kunden zum Einsatz kommt.
Im Mittelpunkt steht dabei die Vehicle Integration Plattform. Sie fungiert als zentraler Dreh- und Angelpunkt für die Kommunikation und als Datensenke im Fahrzeug. Das Team arbeitet zudem an der Middleware-Konfiguration für diesen leistungsstarken Fahrzeugcomputer. Diese Middleware agiert wie eine Brücke zwischen Betriebssystem und Anwendung und ermöglicht es, neue Funktionen weitestgehend hardwareunabhängig zu erweitern – ein entscheidender Schritt in Richtung Software-Defined Vehicles.
Wenn das Auto auf Befehl Code generiert: Die Magie der KI
Einer der innovativsten Aspekte des Projekts ist der Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz. Ein wesentlicher Beitrag kommt aus Wien: Frederik Stöhr, Systemingenieur am Bosch Engineering Center Vienna, entwickelte den sogenannten AI Feature Generator. Dieser dient sowohl Fahrzeugherstellern als auch Fahrzeuginsassen zur Personalisierung von Fahrzeugfunktionen sowie Parametern und ermöglicht eine schnelle Weiterentwicklung von Fahrzeugen.
Ein einfacher Sprachbefehl über eine mobile App genügt. Im Hintergrund wandeln große Sprachmodelle (Large Language Models) diesen Wunsch in lauffähigen Python-Code um, der direkt auf einem Steuergerät des Mini Demo Cars ausgeführt wird. Das Ergebnis: Das Fahrzeug verhält sich exakt so, wie es vom Nutzer beschrieben wurde. Beispielsweise könnte man einstellen, dass spät abends die Innenraumbeleuchtung stets warm weiß ist oder dass das Auto bei einem Start vor 7 Uhr morgens einen besonderen Muntermacher-Song spielt.
Was heute noch Software-Experten vorbehalten ist, könnte so langfristig auch Fahrzeugnutzern neue, intuitive Interaktionsmöglichkeiten eröffnen.
Ein Projekt, viele kluge Köpfe
Hinter dem „ENTERER” Projekt steht ein vielfältiges, globales Team. Frederik ist einer der Köpfe dahinter. Seit 2021 ist der 39-jährige Physiker Teil der Abteilung "Engineering Vehicle Computer" (EVC) innerhalb der Bosch Engineering Group in Wien. Er und sein Team entwickeln Software für Steuergeräte und gestalten so aktiv die Fahrzeugarchitekturen unserer Kunden mit.
Was das Projekt für ihn so besonders macht, erklärt Frederik Stöhr: „Das Mini Demo Car Projekt besticht durch seine Interdisziplinarität: Es bringt die Welt der Embedded Controller mit Web- und Cloudtechnologien zusammen. Die Integration von leistungsstarken Mikroprozessoren, die POSIX-konforme Betriebssysteme ausführen, ermöglicht uns eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Zentralarchitekturen und dem Software-Defined Vehicle.“ Der enge Austausch mit Experten für Automotive Middleware, Cloud-Technologien sowie Teams in Deutschland, Nordamerika, Indien und China ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.
Lernen, gestalten und führen
Doch was bringt dieser aufwendige Ansatz in der Praxis? Das Mini Demo Car ist weit mehr als ein Blickfang auf Messen – es ist ein entscheidendes Lerninstrument. Es hilft dabei, frühzeitig die Herausforderungen von SDV-Architekturen zu erkennen und Potenziale im Bosch-Portfolio zu erschließen.
Im Zentrum steht, Kunden praxisnah an SDV-Konzepte heranzuführen und sie bei der Transformation ihrer End-to-End-Architekturen zu begleiten. So gestaltet Bosch die Mobilität der Zukunft aktiv mit.
Ein eigener Demonstrator für das BECV
Im April erhält das Bosch Engineering Center Vienna sein eigenes Mini Demo Car. Es dient dazu, in Wien entwickelte Hardware-Komponenten im Systemverbund zu testen, sowie als Plattform für Proof of Concepts neuer SDV-Anwendungsfälle. Geplant sind zudem standortweite Hackathons, um geschäftsbereichsübergreifend kreative Ideen zu fördern und daraus potenziell Erfindungsmeldungen zu generieren.
Darüber hinaus wird der Demonstrator ein wichtiges Instrument für die Außendarstellung sein – sei es bei Kundenpräsentationen oder bei Besuchen hochrangiger Stakeholder. Durch die Implementierung von systemweiten Cybersecurity-Features und die enge Zusammenarbeit von Kolleg*innen aus den Bereichen PS-SC, XC-CE, BEG und EM-PE wird das Projekt die Kompetenzen im Bosch Engineering Center Vienna weiter stärken.
Das Mini Demo Car
Wir stellen Videos über YouTube bereit. Die Anzeige des Videos setzt Ihre Zustimmung voraus. Wenn Sie zustimmen, werden Daten an YouTube übertragen, Cookies verwendet und Kontakt zu dem Google DoubleClick-Werbenetzwerk aufgenommen. Dies kann weitere Datenverarbeitungsvorgänge auslösen. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dabei auch Daten in Länder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums übermittelt werden.
Sie können Ihre Zustimmung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, indem Sie die Webseite neu laden.