Wie geteilte Führung zum Erfolg führt
Anna Haller und Darko Nedeljkovic praktizieren im Bosch Engineering Center in Wien Shared Leadership. Sie teilen sich den Global Testteam Lead, also die Führung eines internationalen Teams, das mit Verifizierung und Validierung von Software für Motorsteuergeräte betraut ist. Dabei sind sie für 53 Mitarbeitende verantwortlich, die in Wien und an Bosch-Standorten in Rumänien und Indien tätig sind. Seit Januar 2025 arbeiten sie erfolgreich nach dem Modell der geteilten Führung, das sie ihrem Vorgesetzten selbst vorgeschlagen haben, nachdem Anna Haller im Herbst des Vorjahres aus ihrer Elternkarenz in den Job zurückgekehrt war.
Dazu muss man wissen: Darko Nedeljkovic hatte von Anna Haller die Projektleitung als Karenzvertretung übernommen. Beide haben die Projektleitungsaufgabe sehr gut und auch sehr gerne erfüllt. Beide konnten sich eine Fortführung dieser Führungsfunktion sehr gut vorstellen. Und da sich beide zudem leidenschaftlich gerne technischen Themen widmen und sie sich über das Shared Leadership Modell näher informiert hatten, wurde der „Versuch“, wie sie selbst sagen, gestartet. Sehr positiv haben sie dabei erlebt, wie offen bei Bosch mit dem Thema „Geteilte Führung“ umgegangen wird.
Das Führungsduo bei Bosch
Darko Nedeljkovic ist 36 Jahre alt, gebürtiger Serbe, der für sein Master-Studium der Elektrotechnik an der TU Wien nach Österreich gekommen ist. Schon in der Studienzeit hat er im Rahmen des sogenannten „Discover Bosch Programms“ alle wichtigen Bosch-Standorte in Österreich kennengelernt und so tiefe Einblicke in die Engineering-Aktivitäten und ein gutes Netzwerk innerhalb des Unternehmens erhalten. Nach Funktionen als Werksstudent und vollzeitbeschäftigter Testingenieur für elektromagnetische Verträglichkeit bei Bosch in Wien hat er 2019 in den Bereich Software Test Automation gewechselt, wo er zu Beginn des Jahres 2023 die Karenzvertretung als Projektleiter von Anna Haller übernommen hat.
Anna Haller ist 41 Jahre alt, in Oberösterreich aufgewachsen, lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie in Wien, hat vier Kinder und an der TU Wien Elektrotechnik studiert. Nach dem Master-Abschluss hat sie den Doktor in Mikroelektronik gemacht und sich im Jahr 2018 in ihrer Elternkarenz beim Bosch Engineering Center in Wien beworben. Bereits im Bewerbungsgespräch ist ihr aufgefallen, „dass man bei Bosch den Fokus auf fachliche Kompetenzen und persönliche Stärken legt“ – und nicht, wie sie es in Bewerbungsgesprächen mit anderen Unternehmen erfahren hatte, mit Fragen zur Organisation des Familienalltags und Mehrfachbelastung mit kleinen Kindern konfrontiert wird.
Gemeinsam stark
Damit die geteilte Führung effizient abläuft, haben sich die beiden die Themen untereinander aufgeteilt. „Das Team aufzuteilen, macht aus technischer Sicht keinen Sinn. Deshalb haben wir uns gemeinsam Gedanken darüber gemacht, welche Verantwortlichkeiten mit der Führungsrolle einhergehen und welche Themen abgedeckt werden müssen, um diese untereinander aufzuteilen. Freilich passiert das Ganze dynamisch. Mit der Aufteilung zu Jahresbeginn ist es nicht erledigt, es kommen laufend neue Themen hinzu“, erläutert Anna Haller. Darüber hinaus stimmen sich die beiden in einem 30-minütigen Meeting, „das sehr effizient abläuft und einmal pro Woche stattfindet“, ab und informieren einander über Neuigkeiten. „Die meiste Kommunikation läuft per E-Mail, wo wir immer beide im Verteiler sein müssen“, so die Technikerin. „Besonders wichtig ist auch, einander zu vertrauen, sich gut zu kennen und die Dinge wie auch Probleme offen anzusprechen“, ergänzt Nedeljkovic, der mittlerweile schon seit sechs Jahren mit Anna Haller beruflich zu tun hat. „Wir haben ähnliche Vorstellungen von Führung, Effizienz und Zielerreichung und treiben die Dinge gleichartig voran“, ergänzt die Co-Leaderin.
Ein Gewinn für alle
Mittlerweile sind sie schwer überzeugt vom Modell und resümieren: „Es funktioniert sehr gut!“ Dabei ist ein Vorteil, „dass ich in Teilzeit meine Führungsrolle erfüllen und mich gleichzeitig intensiv einem technischen Thema widmen kann“, so Anna Haller, die 25 Wochenstunden beschäftigt ist und zusätzlich zu ihrer Führungsfunktion das Projekt „Automatisiertes Auswerten von Testergebnissen“ vorantreibt. „Dieses spannende und innovative Projekt erforscht den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Entwicklung neuer, effizienterer Auswertungsmethoden für Softwaretests“, erklärt die Managerin, die von ihrem Co-Leader als starke Persönlichkeit beschrieben wird, die sehr gut mit Menschen umgehen kann, Themen pro-aktiv vorantreibt und sehr lösungsorientiert agiert. „Ein weiterer Vorteil ist, dass immer eine Führungskraft und damit eine Ansprechperson fürs Team da ist – auch wenn einer mal auf Urlaub ist oder krankheitsbedingt ausfällt“, erklärt Darko Nedeljkovic, der von seiner Führungskollegin als verlässlicher und verantwortungsvoller Partner wahrgenommen wird, der sehr offen ist und sehr flexibel agiert.
Flexibilität als Wettbewerbsvorteil
Vor allem in der Startphase mussten sie vielfach ihren Gesprächspartner*innen das Modell der geteilten Führung erklären, gleichzeitig habe man bei vielen großes Interesse und auch Begeisterung für Shared Leadership geweckt. Heute würden beide das Modell anderen sehr empfehlen, wenn es vom Job, von der Führungskraft und der persönlichen Konstellation möglich ist – und wenn das Unternehmen diese Möglichkeit bietet. „Dass Bosch diese Flexibilität ermöglicht, auf seine Mitarbeitenden und ihre Lebenssituationen eingeht und bei entsprechender Arbeitsleistung und authentischem Commitment, seiner Belegschaft das Vertrauen und den Gestaltungsspielraum schenkt, ist nicht nur ein großer Motivationsfaktor für die Angestellten, sondern auch ein herausragendes Arbeitgeber-Asset“, ist Anna Haller überzeugt. „Dass man vom Arbeitgeber Freiräume wie Gleitzeit oder Väterkarenz bekommt und dass der Fokus auf messbaren Ergebnissen und der erbrachten Leistung liegt anstatt Präsenzkultur, ist spitze“, lobt Darko Nedeljkovic seinen Arbeitgeber Bosch in Wien.